Sonderausstellung zur Stromversorgung in Vilsbiburg
Normalerweise heißt es ja: Finger weg von der Steckdose. Bei der neuen Sonderausstellung im Heimatmuseum geht es aber um die hochspannende Geschichte, wie der Strom nach Vilsbiburg kam. Denn bis vor nur etwas mehr als 100 Jahren gab es in Vilsbiburg und anderswo nämlich keine Elektrizität – und damit auch keine elektrischen Geräte.
Die neue Sonderausstellung mit dem Titel „Licht an!“ geht der Geschichte der Elektrizitätsversorgung in Vilsbiburg nach – von den Anfängen bis zur Energiewende. 1897 lieferte Nikolaus Zollner erstmals Strom aus seinem Elektrizitätswerk an der Bahnhofstraße. Er erzeugte mit Kohle Wasserdampf für die Strom-Generatoren, deren Energie zunächst überwiegend für die Straßenbeleuchtung verwendet wurde. Nur wenige private Haushalte konnten sich die neue Energie leisten.
Da das alte Gleichstromnetz sehr störanfällig war, entschied der Marktgemeinderat Vilsbiburg 1925, ein eigenes Drehstromnetz zu errichten – das war die Grundlage für die heutigen Stadtwerke, die 1948 als selbstständiger Eigenbetrieb der Stadt gegründet wurden. „Diese mutige Entscheidung der Stadtwerke wirkt bis heute nach“, sagte Bürgermeisterin Sibylle Entwistle bei der Eröffnung „weil die Stadtwerke bis heute eigenständig auf Entwicklungen im Strommarkt reagieren können.“
Nun ist der Strom selbst ein schwer fassbarer Ausstellungsgegenstand. Deshalb beschäftigt sich die Ausstellung im Heimatmuseum in weiten Teilen auch damit, was mithilfe der elektrischen Energie in den zurückliegenden 100 Jahren alles möglich geworden ist. Auch wenn das elektrische Licht die zunächst wichtigste Errungenschaft war, so konnte mit den Motoren auch die Arbeit in der Landwirtschaft bald deutlich erleichtert werden.
Einen Quantensprung erlebten die Menschen vor 100 Jahren in der Unterhaltungstechnik. Mit Strom wurden Radiogeräte möglich, die Nachrichten und Livemusik ins Haus sendeten. Und mit dem Fernsehen kam ab den 50er Jahren das bewegte Bild in immer mehr Wohnzimmer. Die Mitglieder des Heimatsvereins haben viele elektrische Geräte zusammengetragen, die einen Blick zurück in eine Zeit ermöglichen, in der man Hausfrauen noch davon überzeugen musste, elektrisch zu kochen, und Landwirte wegen überhöhter Strompreise Protestveranstaltungen abhielten. Als das Fernsehen noch schwarz-weiß war und Schallplatten nach fünf Liedern umgedreht werden mussten…
Man erfährt in der Ausstellung aber auch, wo der Strom herkommt oder wie ein Seekabel aussieht. Es ist eine Entdeckungsreise in eine Technik, ohne die unser modernes Leben unvorstellbar wäre.
Das Museum ist Mittwoch von 14 bis 16 und Sonntag von 10 bis 12 Uhr geöffnet. An jedem ersten Wochenende des Monats zusätzlich Samstag und Sonntag von 12 bis 14 Uhr.
Termine für öffentliche Führungen findet man unter: www.museum-vilsbiburg.de

Elektrizität zum Anfassen - Sonderausstellung im Heimatmuseum zur Stromversorgung in Vilsbiburg. Foto: Georg Soller.












