Zum Inhalt (ALT-C)
Zur Navigation (ALT-N)
Zur Startseite (ALT-S)

Stadt Vilsbiburg  |  E-Mail: stadt@vilsbiburg.de  |  Online: http://https://www.vilsbiburg.de

Text, Fotos: Vilsbiburger Zeitung, 21.07.2018.

Träger des Kulturpreises 2017 - Dr. Uta Lenk

Bürgermeister Helmut Haider, Uta Lenk und Laudatorin Barbara Lange (von links) nach der Verleihung des Kulturpreises der Stadt Vilsbiburg.

Kunst mit einer zusätzlichen Dimension

Kulturpreis der Stadt an die Textilkünstlerin Uta Lenk verliehen

„Für ihre eigenständige Textilkunst mit Aussagekraft, die internationale Anerkennung findet“ erhielt Dr. Uta Lenk am Donnerstagabend im städtischen Veranstaltungssaal in der Vhs den mit 1000 Euro dotierten Kulturpreis der Stadt Vilsbiburg. Für die Künstlerin, die zeit ihres Lebens internationale Kontakte pflegt und als Lobbyistin für die Belange der europäischen Quilterinnen viel unterwegs ist, ist ihre Kunst auch ein Ausdrucksmittel unter anderem für ihre engagierte Arbeit in der Flüchtlingshilfe.

 

Erst drei Mal waren Arbeiten von Uta Lenk in Vilsbiburg zu sehen – was auch damit zu tun hat, dass es keine städtische Galerie gibt. Das sei aber in Städten in der Größe von Vilsbiburg auch anderswo eher selten, sagte Bürgermeister Helmut Haider in seiner Begrüßung.

Er wies aber darauf hin, dass man Lenk beim diesjährigen Künstlersymposium in Vilsbiburg bei ihrer präzisen Arbeit habe zusehen können. Am Ende des Symposiums hat die Stadt von ihr einen besonderen Quilt erhalten: Darauf hat Lenk 16 Artikel der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte in der Handschrift von 16 Menschen, die aus 16 Ländern stammen (aus den 60 Nationalitäten, die in Vilsbiburg leben, Anm. d. Red.), in deren Muttersprache auf den Stoff übertragen. Er sei stolz darauf, sagte Haider, dass der Stadtrat auf diese Weise die bildende Kunst unterstützt und am Ende damit zeitgemäße Kunst im öffentlichen Raum sichtbar werde. Grundsätzlich würdigte der Bürgermeister den Umstand positiv, dass das Vergabegremium in diesem Jahr endlich wieder die Arbeit einer bildenden Künstlerin mit dem Preis bedacht habe – zum zweiten Mal erst, seit der Kulturpreis ins Leben gerufen wurde.

In ihrer Dankesrede schilderte Uta Lenk die Überraschung, als sie vom Bürgermeister über ihren Kulturpreis in Kenntnis gesetzt wurde. „Morgen sind es 13 Jahre“, sagte sie, dass sie wegen der Arbeit ihres Mannes aus dem Speckgürtel von München nach Vilsbiburg gezogen sei. Für die international und großstädtisch aufgewachsene Frau kam Niederbayern bis dahin auf ihrer inneren Landkarte nicht vor.

Dass sie nun den Kulturpreis dieser Stadt erhalte, erfülle sie mit Freude, weil es offensichtlich geglückt sei, dass man aufeinander zugegangen sei, sich gegenseitig integriert habe.

Es sei ein wichtiges Merkmal der Kultur, dass man neugierig bleiben sollte, offen sei für neue Musik, anderes Essen, fremde Länder. Kultur entstehe immer aus gegenseitiger Beeinflussung, sagte sie. Deshalb sei es auch ein Zeichen von Kultur, wie man Menschen begegne, die oft einen schwerwiegenden Grund hatten, ihre Heimat zu verlassen.

Leider werde die Willkommenskultur von 2015 derzeit von einem widerlichen Gezänk auf politischer Ebene verdrängt – obwohl unser Land aufgrund der eigenen Geschichte besondere Verantwortung dafür tragen müsste, Verfolgte und Fliehende aufzunehmen und ihnen eine Perspektive zu bieten, sagte Lenk.

 

Kann man das waschen?Grossansicht in neuem Fenster: Lamine Laum (links) und das Krempel-Sax-Quartett unter der Leitung von Sebastian Bortolotti umrahmten den Festakt im städtischen Veranstaltungssaal mit angejazzten Versionen einiger bekannter Lieder.

 

Mit einer gehörigen Portion Witz legte Barbara Lange, die Vorsitzende der Patchwork- Gilde Deutschland, in ihrer Laudatio für Uta Lenk dar, warum die Künstlerin mit ihren sehenswerten Quilts in Kreisen der Textilkunst zwar international hoch anerkannt ist, ihre Kunst vor Ort aber kaum bekannt ist.

„Textile Kunst hat es unheimlich schwer, neben Malerei und Bildhauerei überhaupt als Kunstform anerkannt zu werden“ sagte Lange. „Insofern finde ich es sehr mutig und richtungsweisend, dass die Stadt Vilsbiburg sich diesem Denken entgegenstellt und den Kulturpreis an eine Künstlerin vergibt, deren Kunstrichtung als solche noch gar nicht massentauglich ist.“ Wobei auch dies nicht stimme: Oft seien Ausstellungen von Quilterinnen echte Publikumsrenner. Doch Nähen werde meist mit etwas Praktischem oder Nützlichem verbunden, also eher als Kunsthandwerk angesehen: Daher die nicht selten gestellte Frage: „Sind Ihre Quilts denn waschbar?“

Als weiteren Hemmschuh bezeichnete Lange, dass Patchwork- Arbeiten oft bunt und fröhlich daherkommen – gewissermaßen als Gegenteil von bedeutungsschwerer, ernstzunehmender Kunst.

„Ich glaube, wir können uns darauf einigen, dass die Arbeiten von Uta Lenk dem Vergleich mit einem Ölgemälde durchaus standhalten“, sagte Lange. Wenn sie Zeichnungen ihres Sohnes Jan umsetze, zur Flüchtlingspolitik Stellung beziehe oder einfach nur mit Farben und Lichteindrücken experimentiere, „dann geht das weit über das normale handwerkliche Nähen hinaus. Die Arbeiten sind abstrakt, sozialkritisch und gleichzeitig schön – und das ist echte, ernstzunehmende Kunst“. Es freue sie sehr, dass die Stadt Vilsbiburg dies genauso sehe, und sie hoffe, dass sich viele Institutionen ein Beispiel daran nehmen werden.

 

Patchwork

 

„Kritiker sagen, Patchwork sei eine Tätigkeit, bei der man wunderschöne Stoffe zerschneidet und anschließend mühsam wieder zusammennäht" klärte Barbara Lange, die Vorsitzende der Patchwork-Gilde Deutschland, in ihrer Laudatio für die Kulturpreisträgerin Uta Lenk ihre Zuhörer auf. Und weiter: „Als Patchwork wird nur die obere Sichtseite einer Decke oder eines Wandbehangs bezeichnet. Diese kann – muss aber nicht – aus mehreren Teilen zusammengesetzt sein. Das ist quasi mit der Leinwand des Malers zu vergleichen. Diese obere Seite wird auf eine Zwischenlage von Volumenvlies gelegt und anschließend auf einen Rückseitenstoff. All diese drei Lagen werden anschließend durch kleine Stiche miteinander verbunden, wodurch sich zusätzlich Strukturen und Muster gestalten lassen. Dieser Arbeitsschritt ist das eigentliche Quilten. Wir Quilterinnen haben also im Vergleich zum Maler noch einen zusätzlichen Arbeitsschritt – aber auch eine zusätzliche Dimension. Durch das Quilten bekommt eine Arbeit zusätzlich Struktur, mit Licht und Schatten können wir die Aussage einer Arbeit entweder verstärken oder in manchen Fällen sogar umkehren." All diese Arbeitsschritte könne man sowohl von Hand als auch mit der Maschine durchführen.

drucken nach oben