Vortrag: Aktives Flächenmanagement für Vielfalt im Angebot

Lokales Netzwerk für eine attraktive Innenstadt

Der Vortragsabend im VHS-Regionaldialog der Stadt Vilsbiburg zum Thema Flächenmanagement lockte vor allem politische Entscheider und aktive Mitglieder des Förder- und Werbevereins. Somit war es das anvisierte Zielpublikum, das sich mit Strategien zur Behebung von Leerständen vertraut machte.

Lokales Netzwerk für eine attraktive Innenstadt

Christiane Kickum

Diese sind auch Teil des Integrierten Städtischen Entwicklungskonzeptes (ISEK), das derzeit in der Stadt erarbeitet wird. Die frischen Ideen und ehrlichen Erfahrungen der Expertin Christiane Kickum kamen also gerade recht, um dem Ziel näher zu kommen, unsere attraktive Stadt im Zentrum noch mehr mit Leben zu erfüllen.

„Aktives Flächenmanagement ist ein schwieriges Feld, das nur wenige Kommunen bestellen“ nahm die Referentin gleich eingangs alle Illusionen weg, mit einem „Rezept“ in kurzer Zeit alle Leerstände im Zentrum zu beseitigen. Christiane Kickum kommt aus der Praxis: Sie führte nach dem BWL-Studium das gleichnamige Lederwarenfachgeschäft in Passau. Über zehn Jahre war sie Geschäftsführerin des City Marketing Passau e.V., wo sie das Flächenmanagement aufbaute und erfolgreich umsetzte. 2015 übernahm die Diplomkauffrau die Leitung der Stabstelle Stadtmarketing der Stadt Donauwörth und erfüllt dort diese zähe Aufgabe jetzt langsam aber sicher mit Leben. Die Bezeichnung „Leerstandsmanagement“ bezeichnete sie als unzutreffend, zumal man mittels erhobener Daten zum Bestand im Vorfeld agieren sollte: „Wenn ich sehe, dass die Miete eines Ladens in drei Monaten ausläuft, wird es höchste Zeit, einen Nachfolger zu suchen“. Hierzu ergänzte Regionalmanager Georg Straßer, in dessen Aufgabengebiet die Standortförderung fällt: „Das ISEK wird uns auch ein Leerstandskataster liefern, damit erhalten wir eine gute Datenbasis für konstruktives Handeln.“ Er wurde bereits im Vorfeld aktiv, um Filialisten zu vermitteln, doch manche Inhaber würden sich nicht helfen lassen, ihr leer stehender Laden wäre ihnen lieber als der Stress mit einem Mieter. Das wiederum bestätigte Christiane Kickum aus langjähriger leidvoller Erfahrung: „Das größte Hindernis bei der Vermittlung sind oft nicht die (durchaus hohen) Ansprüche der Filialisten, sondern die Trägheit so mancher Eigentümer städtischer Immobilien. Das kostet die meiste Zeit und Energie.“ Sie machte auch klar, dass die Stadt hier nicht als Makler auftreten könne, nur als Vermittler von Kontakten und gab den Rat: „Ein aktives Flächenmanagement macht keiner so nebenher (in Donauwörth arbeiten dreieinhalb Arbeitsstellen im Citymarketing!), dazu bedarf es vieler Recherchen und Einzelgespräche, um eine Vertrauensbasis aufzubauen und sensible Daten zu erhalten.“ Hier wäre eine neutrale Position am besten geeignet, beispielsweise in der Stadtverwaltung.

 

Stadt soll Angebot lenken und fördern

Die Stadt, ihre Geschäftsleute und aktiven Bürger sollten sich zu einem lokalen Netzwerk zusammenschließen. Eine gute Grundlage hierfür wäre eine Befragung der Bürger in ihrer Eigenschaft als Konsumenten (auch Teil des ISEK), was sie sich in ihrem Zentrum wünschen, und auch das, was sie nicht wollen, wie beispielsweise ein Wettbüro oder sogenannte Ein-Euro-Läden: „Diese belegen zwar die Läden, doch sie tragen nur zur Trivialisierung und nichts zur Kultur der Warenvielfalt und deren Qualität bei, was man sich aber wünsche“, konstatierte Kickum. Auch zu viele Filialisten im Sinne einer „Gleichmacherei aller Innenstädte“ wären die zweite Wahl, die erste bestünde in vielen Inhaber-geführten Läden, auch Handwerkern, womit man dem Verbraucherwunsch nach Vertrauen und persönlichem Austausch begegnen könne. Auch am Beispiel eines in ihrer Heimatstadt in Gründung befindlichen „Stadtladens“, der die Direktvermarkter der Region zusammen fasst und deren jeweils kleines uns spezielles Angebot in einem „Dorfladen in der Stadt“ konzentriert, machte Kickum klar, dass die Stadt(verwaltung) durchaus aktiv eingreifen solle, um gezielt die Angebotsstruktur zu fördern. Das sei keineswegs wettbewerbsverzerrend, auch wenn von Seiten der Kommune förderlich eingegriffen würde. „Hier erfahren wir leider Kritik der eingesessenen Geschäfte, die sich vor Konkurrenz fürchten“, erzählte die Referentin aus eigener Erfahrung, „doch damit muss man leben, wenn man was verbessern will“, bezog sie sich auf die wachsende Angebotsvielfalt, die wiederum mehr Menschen in die Innenstadt locken wird. Eine Startförderung wäre auch finanziell möglich, „beispielsweise ziehen manche Städte Geschäftsgründer an, indem sie ihnen im ersten Halbjahr die Miete zahlen“, wusste Regionalmanager Straßer und ergänzte: „Die Stadt Vilsbiburg ist nun dem Verband der Citymanager Bayern (AKCS) beigetreten, um den Erfahrungsaustausch zu fördern.“

 

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